So ein Bild ist beim Full Force eine Seltenheit - der ganze Strand ist sowohl müll-, als auch menschenfrei (abgebildeter menschlicher Müll nicht mitgerechnet). Die Ursache für diese vermeintliche Idylle liegt im Wetter, denn anscheinend haben mehrere der anwesenden Gäste einige Male nicht aufgegessen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass das diesjährige Full Force das naßeste und kälteste Open Air war, bei dem ich jemals war. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass es mein 10. Force in den letzten 12 Jahren war. Ich möchte auch meinen besonderen Dank an das Jägermeister Promotionsteam aussprechen, die viele Leute vor einer geschmeidigen Sommergrippe, durch die Herausgabe von Regenponchos, bewahrt haben.

Die vielen lustigen Menschen sind das Herz und die Seele dieses Festivals. Als wahre Philanthropen liesen wir es uns nicht nehmen saarländische Reinkultur ans Ossidasein ranzuführen. So wissen unsere guten Saarländer jetzt, dass wir im Osten unsere Straßen mit Westgold pflastern, dass niemand vor 12 aufsteht, weil das Amt eh erst 13 Uhr auf macht. Es ist faszinierend mit welchen Vorurteilen Menschen groß werden, die nach der Wende geboren wurden. Jedenfalls wissen zumindest die Menschen in Otzenhausen jetzt, dass "Mitten im Leben" nicht übertrieben, sondern vielmehr in beschönigender Weise die Lebensumstände in der Zone wiederspiegelt.

Der Mucke wegen zieht es einen in erster Instanz auf eine solche Veranstaltung (Ausnahme: die 30.000 anwesenden Säufer haben sicherlich Alkohol als primäre Instanz). Akkustisch wird das Force jedes Jahr besser. Die Lautstärke war auf beiden Bühnen optimal, so dass zu keiner Zeit OhrOBs nötig gewesen wären. Das Headliner waren dieses Jahr recht dünn gesäht. Freitag haben Bullet for my Valentine ihr Bestes gegeben, was leider nicht ganz reicht um Headlinerqualität zu erzeugen. Samstag waren Hatebreed am Start und Sonntag gab es dann den krönenden Abschluss mit Volbeat. Die Dänen haben sich inzwischen zu einem großartigen Headliner entwickelt. Gute Show, gute Stimmung und das trotz schlechtem Wetters. Weiterhin erwähnenswert waren alte bekannte Größen wie Knorkator und Kassierer, die beide ungewohnt harmlos agierten. Parkway Drive haben gezeigt wie man eine Menge energetisch auflädt und sich auseinanderpflügen lässt. Gut gerockt haben auch Mad Sin, Emil Bulls und die Apokalyptischen Reiter. Bring me the Horizon haben sehr gutes Potential gezeigt - hier bekamen die jugendlichen Violentdancer ihre volle Packung. Ill Nino und Skindred hatten wetterbedingt massive technische Probleme.
Ich fahre auch auf Force um neue Eindrücke zu sammeln. Bands die man im unbedingt im Ohr behalten sollte waren: Cancer Bats, Deadlock und Callejon.
Irgendwie ist auch der Brauch überall und immer sinnlos Slayer zu brüllen verloren gegangen. Crowdsurfing wurde nur gut bei Volbeat ausgelebt - was ich sehr schade finde. Neu war die Wall of Silence - wenn der Ton ausfällt zählt das Publikum einfach selbst an - großartig. Zusammenfassend hat es sich wegen den vielen kleinen Bands sehr gelohnt zum 2011. Force zu fahren.

Ein typisches Openair Frühstück ist auf diesem Bild dargestellt. Da wir nicht im Matsch Flunky-Ball spielen wollten, mussten wir kreativ werden. Dabei ist folgendes tolles Kartenspiel herausgekommen: Saufuno - jedes Mal wenn jemand gewinnt oder eine Karte ziehen muss, wird getrunken in vordefinierter Menge. Achtung: Diese Form der Druckbetankung ist einiges intensiver als Flunky-Ball. Wer ein genaues Regelwerk möchte, wende sich bitte vertrauensvoll an mich.
Fazit
Nachdem es im letzten Jahr so entsetzlich heiß war, musste es dieses Jahr einfach sybirisch werden. Die Teilnehmer können zu Recht behaupten, dass sie in den Krieg ziehen, wenn sie auf dieses Festival fahren, denn die Lebensumstände sind mitunter sehr vergleichbar. Alles in allem war dieses Jahr recht ruhig. Für das nächste Jahr erhoffe ich mir mehr dicke Headliner und besseres Wetter - auf dass wir wieder viele Flunky-Ball Runden spielen können, während wir Band für Band verpassen.